Stottern

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Seit 1998 ist am 22. Oktober eines jeden Jahres der „Welttag des Stotterns“ (Stuttering Awareness Day). Auch in Deutschland wird der „Welttag des Stotterns“ genutzt, um mit Aktionen und Veranstaltungen Aufmerksamkeit zu schaffen. Aufmerksamkeit für die Schwierigkeiten, die jeder einzelne Stotternde bewältigen muss. Und Aufmerksamkeit für die Fakten rund um die Sprechbehinderung Stottern, über die es noch immer zahlreiche Vorurteile gibt. Der Welttag bietet zudem Gelegenheit, gehört und gesehen zu werden, ganz selbstbewusst und offensiv, mit Stottern oder ohne. Aber immer für ein positives Miteinander.

Welttag des Stotterns am 22. Oktober
Verständnis statt Vorurteile

Der Welttag des Stotterns findet jedes Jahr am 22. Oktober statt. International ist er als International Stuttering Awareness Day (ISAD) bekannt. Der Aktionstag soll auf das Stottern aufmerksam machen, Vorurteile abbauen und die Öffentlichkeit für die Erfahrungen und Bedürfnisse stotternder Menschen sensibilisieren. Gleichzeitig bietet der Welttag des Stotterns eine Gelegenheit, über Sprache, Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe nachzudenken.

Stottern ist eine Sprechbehinderung beziehungsweise Redeflussstörung, bei der der Redefluss unterbrochen sein kann. Dabei können beispielsweise Laute oder Silben wiederholt, gedehnt oder blockiert werden. Wie stark Stottern auftritt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Der Welttag macht deshalb deutlich: Stottern ist nur eine Eigenschaft eines Menschen und sagt nichts über seine Intelligenz, seine Fähigkeiten oder seine Persönlichkeit aus.

Seit 1998: Der Internationale Tag des Stotterns

Der International Stuttering Awareness Day wird seit 1998 am 22. Oktober begangen. Die Initiative entstand im Umfeld der internationalen Zusammenarbeit von Selbsthilfeorganisationen und Fachleuten. Beteiligt waren unter anderem die International Stuttering Association (ISA), die European League of Stuttering Associations (ELSA) und die International Fluency Association (IFA).

Im Mittelpunkt standen von Anfang an mehrere Ziele: Die Öffentlichkeit sollte besser über Stottern informiert werden, negative Vorurteile sollten abgebaut und die Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe stotternder Menschen gestärkt werden. Gleichzeitig sollte der Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Wissenschaftlern gefördert werden.

Was bedeutet Stottern?

Stottern zeigt sich vor allem durch Unterbrechungen des Redeflusses. Manche Menschen wiederholen beispielsweise einzelne Laute oder Silben, andere erleben Dehnungen oder sogenannte Blocks, bei denen ein Laut zunächst nicht ausgesprochen werden kann.

Stottern kann bereits im Kindesalter auftreten. Bei manchen Kindern geht es im Laufe der Entwicklung deutlich zurück oder verschwindet wieder. Bei anderen bleibt es bestehen und begleitet sie auch im Erwachsenenalter. Wichtig ist dabei, dass die Erfahrungen mit dem Stottern sehr individuell sind.

Nicht nur die Sprechunterbrechungen selbst können den Alltag beeinflussen. Auch Reaktionen der Umwelt können für Betroffene belastend sein. Ungeduld, Spott, Unterbrechen oder gut gemeinte Aufforderungen wie „Sprich langsamer“ können dazu führen, dass sich Menschen beim Sprechen unsicher fühlen.

Der Welttag des Stotterns gegen Vorurteile

Ein wichtiges Ziel des Welttags des Stotterns ist deshalb der Abbau von Vorurteilen. Noch immer wird Stottern gelegentlich mit Unsicherheit, Nervosität oder mangelnder Kompetenz gleichgesetzt. Eine solche Bewertung ist jedoch falsch.

Menschen, die stottern, können selbstverständlich erfolgreich studieren, Berufe ausüben, Verantwortung übernehmen, Vorträge halten oder öffentlich auftreten. Entscheidend ist nicht, wie flüssig jemand spricht, sondern was er oder sie zu sagen hat.

Die International Stuttering Association betont entsprechend das Recht stotternder Menschen, mit ihrer eigenen Stimme gehört und respektiert zu werden.

Wie sollte man mit einem stotternden Menschen umgehen?

Der Welttag des Stotterns kann auch dazu anregen, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Die wichtigste Regel lautet: Geduld haben und zuhören.

Wer mit einem stotternden Menschen spricht, sollte ihn ausreden lassen und nicht versuchen, Wörter oder Sätze zu vervollständigen. Auch ein hektisches Nachfragen oder der Versuch, den Betroffenen zum schnelleren Sprechen zu bewegen, ist meist nicht hilfreich.

Viel wichtiger ist eine entspannte Gesprächssituation. Blickkontakt, Aufmerksamkeit und echtes Zuhören vermitteln Wertschätzung. Dabei sollte das Stottern nicht unnötig zum Mittelpunkt des Gesprächs gemacht werden. Ein Mensch, der stottert, möchte in der Regel nicht ständig auf seine Sprechweise reduziert werden.

Stottertherapie und professionelle Unterstützung

Für Menschen, die unter ihrem Stottern leiden oder im Alltag dadurch eingeschränkt sind, können logopädische beziehungsweise sprachtherapeutische Angebote hilfreich sein. Ziel einer Therapie muss dabei nicht zwangsläufig sein, jedes Stottern vollständig zu beseitigen.

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie und die Bundesvereinigung Stottern Selbsthilfe weisen darauf hin, dass es derzeit kein Therapieverfahren gibt, das Stottern allgemein „heilen“ kann. Gleichzeitig können Menschen unterschiedlichen Alters von wissenschaftlich fundierten Therapieansätzen profitieren.

Besonders wichtig ist daher eine seriöse Beratung. Versprechen einer schnellen oder garantierten Heilung sollten kritisch betrachtet werden. Wissenschaftlich fundierte Therapieansätze können dagegen dabei helfen, den Umgang mit dem Stottern zu verbessern und die persönliche Kommunikationssituation zu stärken.

Selbsthilfe und Austausch

Neben professioneller Unterstützung spielen Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen eine wichtige Rolle. Menschen, die stottern, können dort Erfahrungen teilen, sich gegenseitig unterstützen und Strategien für unterschiedliche Alltagssituationen entwickeln.

Die International Stuttering Association versteht sich als weltweites Netzwerk nationaler Selbsthilfeorganisationen. Die Organisation wurde 1995 gegründet und setzt sich unter anderem für Aufklärung über Stottern sowie für die Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen und Fachleuten ein.

Rund um den 22. Oktober finden deshalb in vielen Ländern Veranstaltungen, Informationsangebote, Gespräche und Online-Aktionen statt. Der Welttag schafft eine internationale Plattform, auf der Betroffene selbst zu Wort kommen können.

Warum der Welttag des Stotterns wichtig ist

Der Welttag des Stotterns am 22. Oktober erinnert daran, dass Kommunikation mehr ist als flüssiges Sprechen. Jeder Mensch hat das Recht, gehört zu werden und seine Gedanken auszudrücken – unabhängig davon, wie schnell oder flüssig er spricht.

Der Aktionstag hilft dabei, Wissen über Stottern zu vermitteln und Berührungsängste abzubauen. Gleichzeitig macht er deutlich, dass gesellschaftliche Teilhabe nicht davon abhängen darf, ob jemand den Erwartungen an eine „perfekte“ Sprache entspricht.

Kurz zusammengefasst

Der Welttag des Stotterns wird jedes Jahr am 22. Oktober begangen und ist international als International Stuttering Awareness Day (ISAD) bekannt. Seit 1998 steht dieser Tag für Aufklärung, Verständnis und den Abbau von Vorurteilen gegenüber stotternden Menschen. Er macht darauf aufmerksam, dass Stottern nichts über die Intelligenz oder die Fähigkeiten eines Menschen aussagt. Geduld, Zuhören und Respekt sind wichtige Voraussetzungen für eine wertschätzende Kommunikation. Gleichzeitig können seriöse sprachtherapeutische Angebote und Selbsthilfe Menschen unterstützen, die durch das Stottern belastet sind.

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