Am 18. November 1918 wurde in Lettland der unabhängige lettische Staat ausgerufen. Das russische Reich wollte das bedeutende Territorium zwar nicht aufgeben, konnte die Unabhängigkeit Lettlands nicht mehr aufhalten.
Der Nationalfeiertag Lettlands, der 18. November, ist ein zentraler Moment im historischen und kulturellen Bewusstsein des Landes. An diesem Tag im Jahr 1918 wurde in Riga die Unabhängigkeit der Republik Lettland ausgerufen. Es war ein entscheidender Schritt, der das Ende der jahrhundertelangen Fremdherrschaft durch verschiedene Mächte markierte. Nach langen Perioden politischer Abhängigkeit von Polen-Litauen, Schweden, dem Russischen Reich und später der sowjetischen Besatzung wurde an diesem Datum die Grundlage für einen souveränen lettischen Staat gelegt. Der Feiertag ist daher weit mehr als eine historische Erinnerung. Er verkörpert das Streben des lettischen Volkes nach Freiheit, Selbstbestimmung und kultureller Kontinuität.
Heute wird der 18. November im ganzen Land mit großer Würde und nationalem Stolz gefeiert. Die Hauptstadt Riga spielt dabei eine besondere Rolle. Am Freiheitsdenkmal, dem bedeutendsten Symbol des lettischen Staatsbewusstseins, werden Kränze niedergelegt, begleitet von militärischen Zeremonien und Reden politischer Vertreter. In den Abendstunden erstrahlt die Stadt in den Nationalfarben Rot und Weiß. Öffentliche Gebäude sowie historische Monumente werden festlich beleuchtet. Viele Bürgerinnen und Bürger tragen an diesem Tag die lettische Schleife (sakta) oder Elemente traditioneller Tracht, um ihre Verbundenheit mit der Nation auszudrücken.
Ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten sind kulturelle Veranstaltungen, die das reiche Erbe Lettlands sichtbar machen. Chorkonzerte, folkloristische Aufführungen und Ausstellungen erinnern daran, welch zentrale Rolle Musik, Sprache und Volkskultur in der lettischen Identität spielen. Besonders die Chorgesangstradition, die 2014 in die Liste des immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen wurde, wird mit Stolz gepflegt und an diesem Tag in vielen Gemeinden zelebriert. Auch Schulen und Universitäten beteiligen sich mit Projekten, die die Geschichte und Werte der Republik beleuchten.
Dankbarkeit und Erinnerung
Der Nationalfeiertag ist zugleich ein Moment der Reflexion. Viele Lettinnen und Letten erinnern sich daran, wie mühsam der Weg zur erneuten Unabhängigkeit im Jahr 1991 war, nachdem die Sowjetunion zerfiel. Der 18. November verbindet somit die Gründung der Republik 1918 mit der friedlichen Wiedererlangung der Staatlichkeit über sieben Jahrzehnte später. Diese doppelte historische Erfahrung hat in Lettland ein starkes Bewusstsein für Freiheit, demokratische Prinzipien und die Bedeutung europäischer Zusammenarbeit hervorgebracht.
Doch der Tag ist nicht nur politisch geprägt – er ist auch ein Fest der Gemeinschaft. Familien kommen zusammen, genießen traditionelle Gerichte wie Graupe mit Speck oder Roggenbrot, besuchen Konzerte oder nehmen an Lichterprozessionen teil. Die warme, feierliche Atmosphäre, die sich über das spätherbstliche Land legt, schafft ein Gefühl tiefer Zusammengehörigkeit.
So steht der 18. November für mehr als nur ein historisches Ereignis. Er ist ein lebendiger Ausdruck lettischer Identität, ein Tag der Dankbarkeit für die Bewahrung der Freiheit. Und es ist ein Fest der Hoffnung auf eine weiterhin selbstbestimmte und vielfältige Zukunft.