Maria Opferung

Maria Opferung: Der Gedenktag Unserer lieben Frau in Jerusalem ist ursprünglich das Kirchweihfest einer alten Jerusalemer Marienkirche. Das Fest bezieht seinen Inhalt aus dem Protoevangelium des Jakobus. Demnach haben die Eltern, Joachim und Anna, ihre dreijährige Tochter dem Dienst im Tempel geweiht. Das Fest heißt daher auch „Maria Opferung“.

Der Tag Maria Opferung wird im Deutschen häufig als Darstellung Mariens oder Mariä Opferung bezeichnet. Er wird in der katholischen, orthodoxen und einigen anglikanischen Traditionen am 21. November gefeiert. Das Fest erinnert an ein Ereignis aus der frühchristlichen Überlieferung. Dieses wird zwar nicht in der Bibel, jedoch im apokryphen Protevangelium des Jakobus beschrieben. Maria, die spätere Mutter Jesu, wird als junges Mädchen von ihren Eltern Joachim und Anna in den Tempel von Jerusalem gebracht und dort Gott geweiht. Diese „Opferung“ meint kein Opfer im wörtlichen Sinne, sondern die liebevolle Übergabe des Kindes in den Dienst Gottes.

Das Fest betont damit zwei zentrale Aspekte des christlichen Glaubens. Das sind die Hingabe und die Bereitschaft, sich von Gott führen zu lassen. In der Darstellung Mariens wird sichtbar, dass ihr späteres Ja-Wort zur Geburt Jesu nicht unvermittelt geschah, sondern aus einem Leben tiefer Gottesverbundenheit hervorging. Die Tempelüberlieferung symbolisiert Reinheit, Vertrauen und die Offenheit für die göttliche Berufung. Darin liegt auch die spirituelle Botschaft des Tages. Gläubige sind eingeladen, sich an Mariens Beispiel zu orientieren und ihr eigenes Leben in den Dienst des Guten zu stellen.

Opfer und Advent

In der Liturgie besitzt Maria Opferung eine besondere Bedeutung, da es den Übergang vom Kirchenjahr zum Advent vorbereitet. Während die Adventszeit das Kommen Christi erwartet, erinnert der 21. November daran, welche Rolle Maria im Heilsgeschehen einnimmt. In vielen Gemeinden wird dieser Tag mit feierlichen Gottesdiensten begangen, in denen Lichtprozessionen, Marienlieder und Texte aus der kirchlichen Tradition eine wichtige Rolle spielen. Besonders in der orthodoxen Kirche gilt das Fest als eines der zwölf großen Hochfeste, das mit großer Andacht zu feiern ist.

Kulturell haben sich rund um den Tag Maria Opferung verschiedene Traditionen entwickelt. In früheren Jahrhunderten war der 21. November auch ein bedeutsamer Termin im bäuerlichen Jahreslauf. Er markierte das Ende der Feldarbeiten und den Beginn der winterlichen Ruhezeit. Mancherorts galt er als günstiger Tag für Ehevorbereitungen oder als Anlass, Haushalte zu segnen und das kommende Jahr unter den Schutz Mariens zu stellen. In Klöstern begann um diese Zeit häufig der strengere Adventsfastenrhythmus.

Der Tag Maria Opferung erinnert somit an ein Ereignis, das historisch vielleicht nicht belegt, theologisch und spirituell jedoch tief verwurzelt ist. Er lädt ein, über die Bedeutung von Hingabe, Vertrauen und Berufung nachzudenken und die Figur Mariens in ihrer menschlichen und zugleich exemplarischen Rolle neu wahrzunehmen. Als Fest der Einweihung und des Neubeginns steht es symbolisch an der Schwelle zwischen Herbst und Winter – und zwischen Erwartung und Erfüllung im christlichen Glaubensjahr.